Photovoltaik für Wohnanlagen

Photovoltaik ist die beliebteste Stromquelle der Salzburger. Dank einer Ökostromnovelle können sich in Pfarrwerfen erstmals in Österreich Mieter eines Mehrparteienwohnhauses ihre Energie vom Dach holen.

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Sonnenstrom im Gemeindebau

Margarete Mitteregger kennt man aus Pfarrwerfen vom örtlichen Sägewerk und weil sie jahrelang als Gemeinderätin im Einsatz war. Seit Mitte vergangenen Jahres wohnt sie in der von Salzburg Wohnbau errichteten neuen Wohnanlage im Ortszentrum von Pfarrwerfen. Auf dem Grundstück der Gemeinde gleich neben der Volksschule sind 23 Zwei- und Dreizimmer-Mietwohnungen entstanden, neun davon barrierefrei und für betreutes Wohnen. Damit hat die rüstige Rentnerin vorgebaut, „weil man mit 70 ja nie weiß, was daherkommt“.

Auf die Dächer des Mehrparteienhauses wurde die österreichweit erste Photovoltaikanlage gebaut, die den Mietern hilft, Stromkosten zu sparen. Während Einfamilienhäuser „ihren“ Photovoltaikstrom schon bisher nutzen konnten, wie sie wollten, machte Interessierten in einem Mehrfamilienwohngebäude der gesetzliche Rahmen einen Strich durch die Stromrechnung. Die Energie durfte nur in die Stromversorgung der Gemeinschaftsräume fließen oder in das öffentliche Netz. Und das, obwohl Mehrparteienhäuser ausgedehnte Dachflächen haben, also ideal für großflächige Photovoltaikanlagen sind.

Erst eine Ökostromnovelle Mitte 2017 machte den Weg frei und die Salzburg AG konnte gemeinsam mit Salzburg Wohnbau die erste Photovoltaikanlage für ein Mehrparteienhaus starten. Gleichzeitig wurde mit Solar.Top ein eigenes Paket entwickelt, das Verteilung und Verrechnung der Stromanteile innerhalb des Hauses regelt. Anfang des Jahres konnten die Mieter in Pfarrwerfen die Verträge mit dem Energieversorger unterschreiben. Seither ist Frau Mitteregger nicht nur Mieterin einer Wohnung, sondern auch von 3,7 Prozent der Photovoltaikfläche am Dach des Gemeindebaus. Ab sofort kann sie über ihren eigenen Strom verfügen: „Jetzt muss ich nur noch mein Verhalten ein wenig ändern. Also beispielsweise die Waschmaschine einschalten, wenn die Sonne scheint.“

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Bei der Salzburg AG rechnet man damit, dass sich die Mieter durch die Photovoltaikanlage bis zu 20 Prozent an Stromkosten sparen können, weil auch Netzgebühren und Abgaben wegfallen. „Wenn ich mir jedes Jahr 40 oder 50 Euro erspare, ist das relativ viel Geld für mich.“

Modell hat Zukunft

Wie das Beispiel in Pfarrwerfen zeigt, ist Photovoltaik nicht nur für Hauseigentümer ein Thema. Und auch aus energiewirtschaftlichen Überlegungen macht es Sinn: Immerhin befindet sich rund die Hälfte der 236.000 Salzburger Haushalte in Mehrparteienwohnhäusern. Würden alle Dachflächen von diesen Wohnanlagen mit Photovoltaikpanelen bestückt, könnte man damit den 1,5-fachen Stromertrag des Kraftwerks Sohlstufe Lehen erzielen. „Vielleicht wären wir in Österreich dann auch irgendwann in der Lage, autark zu werden“, meint Margarete Mitteregger.

Mit Nachahmern unter den Wohnbaugesellschaften wird bei der Salzburg AG gerechnet, weil der Energiedienstleister Verwaltung, Verteilung und Abrechnung übernimmt, ebenso wie die Wartung und den Kundenservice. Für den Wohnbauträger und die Hausverwaltung entsteht also kein zusätzlicher Aufwand. Die Bewohner senken ihre eigenen Stromkosten und leisten gleichzeitig einen Beitrag für die Energiewende.

Pilotprojekt Pfarrwerfen

  • Wohnprojekt von Salzburg Wohnbau mit 23 Mietwohnungen, 2017 bezogen.
  • Erste gemeinschaftlich genutzte PV-Erzeugungsanlage von der Salzburg AG. 20,67 kWp, separater Stromzähler zur Volleinspeisung und Hauszähler zur viertelstündlichen Ablesung.
  • Sonnenstrom aus der Erzeugungsanlage wird je nach Verbrauchsverhalten zugewiesen.

salzburg-ag.at/photovoltaik