Modernisiertes Pumpspeicherkraftwerk Dießbach / Pinzgau

23.10.2018 14.40

Erster Einsatz der innovativen Matrixpumpen - Technologie

Heute wurde das neue Pumpspeicherkraftwerk Dießbach im Pinzgau feierlich eröffnet. Nach einer Bauzeit von lediglich 1,5 Jahren nimmt die Salzburg AG die neue Matrixpumpen-Technologie in Betrieb, die im Hause des Unternehmens entwickelt wurde. Diese Pumpenkonfiguration ist einzigartig und ein weiterer Schritt hin zur Erreichung der österreichischen Klima- und Energieziele. Die Öffentlichkeit war zum Eröffnungsfest eingeladen, der Andrang war groß.

Die Neugierde bei den Besuchern war deutlich zu spüren, viele wollten wissen, wie die neue, innovative Lösung der Matrixpumpen - Technologie im Wasserkraftwerk Dießbach nun genau funktioniert. Das Speicherkraftwerk besteht bereits seit über 50 Jahren und wurde seit dem Frühjahr 2017 modernisiert. Landeshauptmann Wilfried Haslauer war bei der Eröffnung vor Ort und sagt: „Der Ausbau des Kraftwerks Dießbach ist ein wichtiger Beitrag zur Umsetzung unserer Klima- und Energiestrategie. Die Wasserkraft hat in Salzburg einen hohen Stellenwert und trägt dazu bei, dass das Land die Klima- und Energieziele erreicht. Darüber hinaus setzen Investitionen in Höhe von knapp 30 Millionen Euro einen starken regionalen Wirtschaftsimpuls, der dazu beiträgt Arbeitsplätze zu schaffen und zu sichern.“

Ab heute wird Dießbach als Pumpspeicherkraftwerk nicht nur Energie liefern, sondern auch bei Stromüberschuss Energie zwischenspeichern. Der Um- und Ausbau ist ein bedeutender Beitrag zur Energiezukunft in Österreich. „Wir werden zukünftig mehr Energie brauchen, daher setzen wir in der Erzeugung verstärkt auch auf die Flexibilisierung bestehender Kraftwerke“, erklärt Leonhard Schitter, Vorstandssprecher der Salzburg AG, und setzt fort, „Mit dem innovativen Konzept der Matrixpumpe wird die bestehende Anlage im Saalachtal mit moderner Technik effizienter gemacht.“

Landeshauptmann-Stv. Heinrich Schellhorn schließt sich an: „Der Strombedarf in Salzburg ist ständig im Steigen. Wir müssen hier vorsorgen und künftig noch stärker auf Stromquellen setzen, die die Umwelt nicht belasten. Energieeffizienz und der ökologisch behutsame Ausbau erneuerbarer Energien sind notwendige Voraussetzungen, um unsere Klima- und Energieziele zu erreichen. Mit dem Kraftwerk Dießbach wurde ein weiterer wichtiger Schritt in diese Richtung gemacht.“

Einzigartige Speichertechnik

„Die Flexibilisierung des Kraftwerks in Dießbach ist durch die Errichtung eines Unterbeckens und einer Matrixpumpe möglich. Letztere besteht aus 24 einzelnen Pumpen, die zusammengeschaltet werden. Dadurch wird das Kraftwerk nun nicht nur Strom erzeugen, sondern auch speichern“ erklärt Horst Ebner, Vorstand Salzburg AG. Das Wasser wird in den Turbinen im Tal abgearbeitet und sammelt sich in einem großen, natürlich gestalteten Unterbecken. Die neue Matrixpumpe befördert das Wasser in den rund 700 Meter höher gelegenen Speichersee zurück, bei Bedarf kann so wieder Strom erzeugt werden.

„Damit ist die Anlage ideal, um die kurzfristigen Schwankungen von volatiler erneuerbarer Energie auszugleichen und damit zur Versorgungssicherheit beizutragen“, so Schitter und er führt weiter aus, „Die Matrixpumpe – also so viele Pumpen wie möglich zusammen zu schließen – ist ein komplett neues, innovatives Konzept. Wir können jede einzelne Pumpe zu- oder wegschalten und damit die Leistung im Kraftwerk in ganz kleinen Schritten regeln. Das gibt uns die Möglichkeit auf die Bedürfnisse des Strommarktes kurzfristig und gezielt zu reagieren.“

Mit diesem Ausbau wird die Salzburg AG zum wiederholten Mal ihrer Vorreiterrolle in punkto erneuerbare Energie gerecht. Diese Art der Speicherung und die damit verbundene Gewährleistung der Versorgungssicherheit ist einzigartig. Als regionaler Energieversorger ist es einer der Hauptaufgaben des Unternehmens, seine Kunden in jeder Lage mit ausreichend Strom zu versorgen, der aus erneuerbaren Quellen gewonnen wird.

Die Bürgermeister Erich Rohrmoser, Gemeinde Saalfelden, und Josef Hohenwarter, Gemeinde Weißbach bei Lofer, waren ebenfalls bei der Eröffnung dabei. Beide sind sich einig, dass der Ausbau des Kraftwerks für die Region im Pinzgau nur Vorteile hat. „Mit dem Ausbau des Speicherkraftwerks Dießbach verbindet die Salzburg AG saubere und nachhaltige Energieversorgung mit regionaler Wertschöpfung“, betont Erich Rohrmoser. Josef Hohenwarter meint: „Das Kraftwerk Dießbach stellt ein Bindeglied zwischen der Stadtgemeinde Saalfelden und der Naturparkgemeinde Weißbach dar von dem die Bewohner beider Gemeinden profitieren.”

Ausbau in nur 1,5 Jahren

Die Anlage hat im Turbinenbetrieb eine Engpassleistung von 24 Megawatt, im Pumpbetrieb leistet die Anlage 32 Megawatt. Der Spatenstich zur Modernisierung fand im Frühjahr 2017 statt. Daraufhin wurden die Bauarbeiten an der Pumpenhalle unverzüglich aufgenommen, welche bereits im Herbst des gleichen Jahres fertiggestellt und danach mit Technik ausgestattet wurde. Neben Pumpen, Haustechnik, Elektrik und Leittechnik wurden auch die Druckrohrleitungen und die dazugehörigen Windkessel – das sind Druckausgleichsbehälter, die helfen die Belastungen auf das Leitungsnetz zu reduzieren – millimetergenau und unter strengen Qualitätskontrollen montiert.

„In der Pumpenhalle wurde die Matrixpumpe installiert. Jedes der 24 Einzelaggregate der Matrixpumpe hat eine Leistung von ca. 1,23 MW. Wenn alle Aggregate laufen, werden 3,3 m3 Wasser pro Sekunde in Richtung Stausee geleitet. Das entspricht ca. 22 Badewannen pro Sekunde“, erklärt Horst Ebner, Vorstandsmitglied der Salzburg AG, die innovative Technologie. Im Herbst 2017 wurde der Stausee im Steinernen Meer entleert. Erst danach konnte das Stollensystem, das unter dem Wasserspiegel liegt, erweitert werden, um es an die neuen Anforderungen aus dem Pumpspeicherbetrieb anzupassen.

Als letzter baulicher Meilenstein wurde im Frühjahr 2018 das Unterbecken errichtet, auch hier wurden neue Maßstäbe gesetzt, denn die Bauweise des Beckens kommt ohne der üblichen künstlichen Abdichtung aus, was eine besonders naturnahe Gestaltung ermöglicht. Im Sommer 2018 wurden die Bauarbeiten abgeschlossen. Nach einem Testlauf wird nun ab heute der Betrieb aufgenommen. „Die kurze Bauzeit von knapp 1,5 Jahren ist sehr beachtlich und stellte für alle Beteiligten eine Herausforderung dar, die mit Bravour gemeistert wurde. Zum Vergleich: in dieser Zeit wird normalerweise ein Einfamilienhaus gebaut“, so Schitter abschließend.

Technische Daten Kraftwerk Dießbach
Anlagentyp: Jahresspeicherkraftwerk

  • Einzugsgebiet: 21,87 km²
  • Jahreserzeugung (Strom): 36.000 MWh (ohne Umwälzbetrieb)
  • Turbinen: 2 Stück liegende Freistrahl-Pelton-Turbinen, mit einer Ausbauwassermenge von 4,00 m³/s und einer Leistung von 24,00 MW
  • Matrixpumpe: Zusammenschluss aus 24 Stück 7-stufigen Radialpumpen, mit einer Ausbauwassermenge von 3,30 m³/s und einer Leistung von 32,00 MW
  • Fallhöhe: 728,46 m