Perfektes Teamwork

Solo oder im Ensemble, einsam oder gemeinsam: Wo macht Teamwork überall Sinn? Wir gingen der Frage nach, in einem Orchester, einem sozialen „Bauchladen“ und bei einer sportlichen Einzelunternehmerin.

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Gemeinsam klingt besser

Licht an: Ein Studio im Mozarteum, zwei Musiker, eine Geige und ein Cello. Michaela Girardi und Shane Woodborne bringen mit ihren Instrumenten die Luft zum Schwingen. Die Camerata ist eines der Stammensembles der Stiftung Mozarteum, mit Konzerten bei den Salzburger Festspielen, der Mozartwoche und rund um den Globus. Für seinen individuellen Musizierstil ist das 24 bis 40 Musiker starke Kammerorchester international berühmt.

Vor einiger Zeit hat man entschieden, ohne eigenen Chefdirigenten auszukommen, erklärt Shane Woodborne, Cellist, Komponist und mehrfach Geschäftsführer der Camerata: „Das ist natürlich nur möglich, wenn die Musiker perfekt aufeinander eingespielt sind. Dann eröffnet es auch die Möglichkeit, noch während eines Konzerts Spielweisen zu entwickeln, die so zuvor nie geprobt wurden.“ Das enge Miteinander macht den Musikern sehr viel Spaß und eröffnet den Zuhörern oft einen ganz neuen, lebendigen Zugang zum Werk.

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Musik als Band

Und die Zuhörer tragen mehr zu einer Aufführung bei, als diesen oft bewusst ist, erklärt Michaela Girardi, die Stimmführerin bei den Violinen: „Wenn das Publikum voll dabei ist, ist das ein besonderer Kick für uns Musiker.“ Michaela Girardi steht schon seit dem elften Lebensjahr als Solistin auf der Bühne. Ihre Liebe gilt dem musikalischen Zusammenspiel, im Quartett ebenso wie im Orchester. Diese Hingabe für die Musik ist es auch, die sie ihren Studenten an der Hochschule Mozarteum mitgeben will. Diese „andere Welt, in die man einfach abtauchen kann, die Horizonte öffnet und den Alltag verschwinden lässt“. Unterrichten will sie auch noch in 20 Jahren: „Weil ich spüre, was da an Euphorie zurückkommt und dass man die Stücke und die Spieler jedes Mal neu entdeckt.“

Wie geht man mit Disharmonien in einem Orchester um? „Auseinandersetzungen können sehr gesund sein“, sagt Shane Woodborne. Doch die betreffen meist Organisatorisches: Unnötiger Aufwand für Proben etwa oder eine schlechte Reiseplanung auf einer Tournee. Wenn aber die Harmonie grundsätzlich stimmt, ist das alles wieder vergessen – selbst wenn man nur eine halbe Stunde nach einer verspäteten Ankunft am Flughafen gemeinsam auf der Bühne steht.
camerata.at

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Im Team weiterkommen

Szenenwechsel in den Bauchladen im Business Boulevard in der Salzburger Sterneckstraße: Noch ist wenig los und die sechs Damen in der Küche sind beim Vorbereiten von Sandwiches, Suppen, Salaten und gefüllten Chatschapuris, welche die Stammgäste zu Mittag abholen oder in dem gemütlichen Lokal konsumieren. Der Bauchladen ist Café, Bistro und Shop in einem. Und er ist ein etwas anderes Sozialprojekt von frauenanderskompetent. In der Küche arbeiten ausschließlich Frauen, die aus unterschiedlichsten Gründen Schwierigkeiten mit dem Wiedereinstieg ins „normale“ Berufsleben haben. So wie Romana Schmidler, die nach stressigen Jahren im Lebensmittelhandel einfach nicht mehr so weitermachen konnte wie bisher. Seit einem halben Jahr arbeitet die zweifache Mutter im Bauchladen und blüht langsam wieder auf. „Im Berufsleben kommt das Menschliche oft zu kurz. Hier im Bauchladen wird geschaut, was für die einzelne Mitarbeiterin wichtig ist.“

Zu frauenanderskompetent kam sie über das AMS, welches das Projekt fördert. Den neuen Job hat sie vom ersten Tag an geliebt, sowohl was die Arbeit mit den Kunden betrifft als auch die Kolleginnen. „Bei uns hat jeder sein Packerl zum Tragen und das Zusammenarbeiten mit Menschen, die alle ihre unterschiedlichen Geschichten haben, ist total spannend.“

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Gemeinsam leichter

Susanne Erhart leitet bei frauenanderskompetent den Bauchladen, ebenso wie die Werkstatt für Produktion und Fertigung nebenan sowie den Postpartner und Geschenkeshop in Anthering. Alle diese Projekte sollen Frauen innerhalb eines Jahres auf den Wiedereinstieg ins Berufsleben vorbereiten: „Am schönsten ist es immer, wenn ich Frauen mitteilen kann, dass sie nach der achtwöchigen ‚Probezeit’ für ein ganzes Jahr übernommen werden. Oder überhaupt für den Rest ihres Berufslebens.“ So wie Elfriede Steiner, die rund drei Jahre vor ihrem Ruhestand 2019 ihren Allroundjob in einer Frühstückspension verloren hatte.

Eineinhalb Jahre war sie arbeitslos und hatte so knapp vor der Pensionierung praktisch keine Jobaussichten – bis ihr jemand von frauenanderskompetent erzählte. Der Einstieg im Bauchladen war für sie ein absoluter Glücksfall und macht ihr unglaublich viel Spaß: „Wenn das so weitergeht, bin ich bis zur Pensionierung eine ausgelernte Köchin“, scherzt sie.
anderskompetent.at/frauen

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Volles Rohr für den Sport

Dritte Station: die Panzerhalle in Salzburg-Maxglan. Kiteboarder wie Stefan Spießberger, Freeskier wie Fabian Lentsch und andere sind das „tägliche Brot“ von Karin Lechner. Sie managt international erfolgreiche Athleten und berät Firmen in Sportmarketing-Fragen. Mit ihrer Agentur NINE&ONE hat sie sich im Coworkingbereich der Panzerhalle eingemietet. Rohe Wände, Dachschrägen, Stahlregale und dicke Holztischplatten auf geschweißten Gestellen prägen das Loft auf zwei Etagen. Coworking braucht Karin Lechner für den Blick über den Tellerrand, wie sie es bezeichnet. Gemeint ist damit nicht nur der grandiose Ausblick, den sie von ihrem Arbeitsplatz in die Berge hat, sondern auch der über den eigenen Horizont.

Bei einem Salzburger Energydrink-Erzeuger hatte sie den Job als internationale Athletenmanagerin von der Pike auf gelernt. Später zog sie ihr eigenes Unternehmen als Home-Office auf: mit Surf-Pros-Projekten in der ganzen Welt. Das war durch die wachsende Digitalisierung rein technisch überhaupt kein Problem. Was ihr zuhause fehlte, war der direkte Kontakt zu Menschen und der neutrale Blick von außen auf die eigene Arbeit, oder auch nur die Möglichkeit, mit anderen Coworkern spontan Mittagessen gehen zu können.

Weltoffen

Karin Lechner war eine der ersten Mieterinnen im damals neuen „Cowo“ der Panzerhalle. Das für Salzburg ungewöhnlich urbane Umfeld und die Weltoffenheit sagten ihr sofort zu. Ebenso die gute Infrastruktur mit Fitnessstudio, Friseur, Cafés und Restaurants mit gutem, gesundem Essen unter einem Dach. Das Ambiente im Großraumbüro fand sie auf Anhieb inspirierend: Tisch an Tisch mit Fotografen, Digitalexperten und Grafikern, mit denen sich auch eine Zusammenarbeit auftun konnte. Und vor allem jede Menge gute Ideen, was Arbeitsabläufe, Mitarbeiterfragen, Projektmanagement-Tools und Teamzusammenarbeit betraf. Das alles zusammen war ideal, um ihre Sportmarketing-Agentur erfolgreich weiterzuentwickeln.
nineandone.com