NACHHALTIG-KEIT AM BAU

Das Bewusstsein für einen maßvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen steigt. Was unter „nachhaltigem Bauen“ zu verstehen ist, erklärt unser Experte für energieeffizientes Bauen im Interview.

  • Nachhaltig bauen und wohnen beginnt bereits in der Planungsphase.
  • Niedrig-, Null- und Plusenergiehäuser verbrauchen wenig Energie und produzieren selbst.
  • Wenn ein neues Heizsystem angeschafft wird, sollte man nachhaltige Alternativen überlegen.
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„Das Thema Nachhaltigkeit spielt in der Baubranche eine immer wichtigere Rolle“, weiß Energieberater Hermann Grießner. Immer mehr Häuslbauer und Sanierer entscheiden sich bewusst für ökologische Baustoffe und eine energieeffiziente Bauweise.

Was bedeutet „Nachhaltigkeit“ bei der Planung eines Hauses?

Energieberater Hermann Grießner: Das Wort stammt aus der Forstwirtschaft des 18. Jahrhunderts und besagte ursprünglich, dass nur so viel Bäume geschlagen werden dürfen, wie auch wieder nachwachsen. Der Wald sollte sich regenerieren können. Ein Haus nachhaltig zu planen heißt heute, dass es sich später durch einen möglichst geringen Verbrauch von Energie und natürlichen Ressourcen auszeichnet.

Wie setze ich das konkret um?

Hermann Grießner: Nachhaltiges Hausbauen beginnt bereits bei der Planung und der Auswahl der Baustoffe. Meine Kollegen von der Energieberatung der Salzburg AG und ich unterstützen Häuslbauer aber schon bei der Auswahl des passenden Grundstücks und begutachten bestehende Objekte vor der Sanierung. Durch nachhaltiges Bauen soll das energetische Potential eines Gebäudes optimal ausgeschöpft werden.

Salzburg, (c) wildbild

Welche nachhaltigen Bauformen gibt es?

Hermann Grießner: Ein Niedrigenergiehaus zeichnet sich durch geringen Energieverbrauch und minimale Wärmeverluste aus. Im wärmegedämmten Passivhaus wird die Abstrahlwärme der Bewohner sowie der technischen Geräte im Haus genutzt. Über eine kontrollierte Wohnraumlüftung wird Frischluft ins Hausinnere gebracht. Das Nullenergiehaus geht einen Schritt weiter: Neben der passiven Wärmerückgewinnung produziert das Haus über eine thermische Solaranlage selbst Strom für die Warmwasseraufbereitung. Wird mehr Energie produziert, als man verbraucht, spricht man von einem Plusenergiehaus.

Welche Alternativen zu fossilen Heizstoffen gibt es?

Hermann Grießner: Beispielsweise kann eine vorhandene Ölheizung mit Holzpellets betrieben werden. Holzpellets sind gepresstes Sägemehl, also ein umweltschonendes Heizmaterial. Mit moderner Wärmepumpentechnik kann die Wärme aus der Erde und der Luft zum Heizen, zur Warmwasserbereitung und sogar zur Kühlung verwendet werden. Sonnenwärme wird über Solarkollektoren eingespeist. Im Bundesland Salzburg wird sogar die Abwärme aus der Stromerzeugung genutzt. Über Fernwärmeleitungen werden 24.000 Haushalte mit Kraft-Wärme-Kopplung geheizt.

Wo kommen am Bau biologisch natürliche Baustoffe zum Einsatz?

Hermann Grießner: Als Bausubstanz, beim Dämmen und bei Sanierungen. Dafür kommen alle Stoffe in Frage, deren Entsorgung für die Umwelt unbedenklich ist, wie beispielsweise Lehm oder Holz. Bei der Wärmedämmung sind Zelluloseflocken, Holzfaserdämmplatten oder Dämmstoffe aus Kokosfaser, Hanf oder Seegras beliebte Materialien.

Stichwort „Mehrere Generationen unter einem Dach“ – lässt sich hier ein Trend erkennen?

Hermann Grießner: Auf alle Fälle. Früher wurde oft großzügig gebaut, für eine wachsende Familie. Im Alter standen dann viele Zimmer leer. Heute entscheiden sich viele junge Leute bewusst für nachhaltige Wohnlösungen, also das Haus nicht nur auf die aktuelle Lebenssituation auszurichten, sondern auch auf das spätere Leben. Für mehrere Generationen unter einem Dach spricht, dass man so Fläche einsparen und die Kosten für Heizung und Wasser teilen kann. Und das Gebäude wird langfristig effizient genutzt.