Mit 13 Bürgermeisterin

In der Mini-Stadt Salzburg erspielen sich Kinder die Demokratie

Unser Alltag ist von Konkurrenzdenken und Alleingängen bestimmt. Dabei zeigt die Erfahrung, dass wir gemeinsam viel besser vorankommen. Viktoria Wörndl hat das schon mit 14 Jahren als „Bürgermeisterin“ in der Mini-Stadt Salzburg erfahren.

Unsere Leistungsgesellschaft „matcht“ sich bereits im Kindesalter um die besten Plätze im Sport, um gute Noten und um Anerkennung. Die Philosophie bei der Mini-Stadt Salzburg dagegen ist „gemeinsam mehr erreichen“. Das Riesen-Kooperationsspiel im Salzburger Volksgarten setzt auf die Fähigkeit von Kindern, voneinander zu lernen und gemeinsam „Probleme“ zu lösen. Da wir in einer komplexen Welt leben, braucht es für viele Aufgaben Zusammenarbeit und Solidarität.

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Bürgermeisterin Viktoria

Das erfuhr Viktoria Wörndl 2003, als sie mit 13 Jahren die erste gewählte „Bürgermeisterin“ in der Mini-Stadt war. Sie lernte dort, selbstständig an Probleme heranzugehen und für die Lösung auch andere Meinungen einzuholen, etwa als die Müllabfuhr in der Mini-Stadt streikte. Ihre Dialogfähigkeit hat sie auch zur Bürgermeisterin gemacht.

Heute ist Viktoria Marketingexpertin bei einer großen Drogeriemarktkette. Da ist ebenso Teamwork angesagt: „Jeder hat seine Kompetenzen. Alleine kann man zwar 100% geben. Im Team schafft man aber vielleicht sogar 130%“, findet Viktoria.

Café MIA

In diesem Sommer ist Viktorias neunjährige Tochter zum ersten Mal bei der Mini-Stadt Salzburg dabei. Sie freut sich schon darauf, Verschiedenes auszuprobieren. Ob sie auch in die Stadtregierung und das Rathaus einzieht, bleibt noch abzuwarten. Schließlich gibt es viele weitere Möglichkeiten, sich zu entfalten: Mia möchte gern im Café oder als Friseurin arbeiten. Daneben ist sie auch Statistin bei den Salzburger Festspielen in der Oper „Oedipe“.

9. Kinderstadt

Mini-Salzburg wird in diesem Jahr bereits zum neunten Mal organisiert. Hier arbeiten, studieren und „leben“ alle zwei Jahre rund 7.000 Mini-Salzburger zwischen sieben und 14 Jahren. An den 14 Spieltagen können sie mitbestimmen und wählen, Sachen erfinden und sich für große Projekte einsetzen.

Lernen für´s Leben

Die Organisatoren Petra Burgstaller und Thomas Schuster vom Verein Spektrum wollen so den Kindern gesellschaftliche, politische, ökonomische und ökologische Zusammenhänge näherbringen. Es geht darum, soziales Miteinander und Demokratie zu lernen. Im Spiel beschäftigen sich die jungen Leute freiwillig mit komplexen Themen wie Geschlechtergerechtigkeit oder Beeinträchtigungen. Thomas Schuster: „Die Kinderstadt ist barrierefrei, es gibt eine Gebärdensprachenschule. Rollstühle können ausprobiert werden und wir hatten auch schon einmal ein Dunkelcafé.“

Buntes Spektrum

In Summe gibt es 53 Stationen, darunter auch Forschungsabteilungen, ein Gesundheitszentrum, eine Fahrschule, Werkstätten, eine Bäckerei, eine Gärtnerei, ein Radio und ein Fernsehstudio. Jedes Jahr kommen neue Stationen dazu, an denen die eigenen Fähigkeiten ausprobiert werden können: etwa eine Abenteueragentur, die zu Reisen im Kopf und Schatzsuchen einlädt. Oder eine „Denkfabrik“, die aktuelle Strömungen wie den Klimaschutz aufnimmt.

Green Event

Generell spielen in diesem Sommer saisonale Produkte, regionale Partner, Mülltrennung, Energieeffizienz oder Ökomobilität in Form eines Fahrrad-Lieferservice eine wichtige Rolle. Die Kinderstadt wurde deshalb erstmals als Green Event ausgezeichnet. Die Salzburg AG ist seit 2013 Partner der Kinderstadt.