MEINE DIGITALE WELT

Digitalisierung verändert unser Leben. Wir gingen mit der Unternehmensberaterin Eva Grieshuber laufen, sprachen mit ihr über ihren Job, Apps und Grenzen der Digitalisierung.

  • Die Überführung analoger Information in digitale Daten.
  • Die Automation von Prozessen durch die Vernetzung von digitaler Technik, Informationen und Menschen.
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Digitalisierung

Es ist kalt. Eva Grieshuber schnürt dennoch ihre Laufschuhe. Die gebürtige Salzburgerin lebt in Graz. Sie ist auf Heimatbesuch. Ihre Laufrunde startet beim Schloss Hellbrunn, führt durch die Hellbrunner Allee, vorbei am Unipark und wieder retour an die Salzach. Kindheitserinnerungen werden wach. Beim Laufen gelingt es ihr, den Kopf frei zu bekommen, Ideen zu schnüren und über Projekte nachzudenken. Begleitet wird sie von ihrem iPhone. Fest verankert ist es am linken Oberarm. Jeder Schritt, jeder Höhenmeter, jede Leistungssteigerung wird getrackt. Die Digitalisierung läuft mit und hat sie längst überholt. 

Ihr berufliches Leben ist alles andere als unsportlich. Als Beraterin begleitet sie Unternehmen, die sich verändern wollen und eine strategische Neuausrichtung suchen. Ihre Kunden: quer verstreut durch Europa. Eva ist längst vertraut mit virtuellen Meetingtools und gut vernetzt mit ihrem internationalen Team. Wo es geht, nützt sie die App Uber. Private Personen bieten einen zuverlässigen Transportservice an. Rund um die Uhr, zu Top-Konditionen.

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VIERTE REVOLUTION

Digitalisierung betrifft alle Branchen. Experten sprechen von einer vierten industriellen Revolution. Der digitale Wandel führt zu einer Entgrenzung von Raum und Zeit. Neue Arbeitsmodelle und Arbeitsprozesse bewirken Veränderungen in der Gesellschaft. Gefragt ist mehr Flexibilität bei erhöhtem Leistungsdruck. Automatisierung durch modernste Robotertechnik ersetzt traditionelle Berufsbilder. Evas Kunden müssen umdenken und sich verändern.

Fachleute sprechen von einem „digitalen Darwinismus“: Unternehmen, die frühzeitig auf Investitionen im Bereich der Digitalisierung gesetzt haben, laufen nun gute Zeiten im Digitalisierungs-Marathon. Einstige Branchenriesen sind auf der Strecke geblieben: etwa Nokia im Mobilfunkbereich – oder Kodak im Bereich der Fotografie.

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MENSCH = HANDY

Durch die Digitalisierung von Informations- und Kommunikationsprozessen wird die Welt noch weiter zusammenwachsen. Es gibt heute bereits mehr Handys als Menschen auf dem Globus, die Hälfte der Nutzer hat Zugang zum Internet, ein Drittel ist in sozialen Netzwerken aktiv. Tendenz weiter steigend. Wer zwischen 1980 und 1999 geboren wurde, ist mit den interaktiven digitalen Medien groß geworden, geht ganz selbstverständlich mit ihnen um.

Auch Eva Grieshubers 14-jährige Tochter zählt zu dieser heranwachsenden Konsumentengruppe, die auf ihrem Smartphone mit Snapchat ihre Messages versendet, mit Instagram ihre Fotos teilt und YouTube-Videos anschaut. Mit ihrer Mutter teilt sie sich einen Spotify-Account und kann dadurch ihre Musik hören, wann und wo immer sie will. In ein paar Jahren wird sie in ihrem Konsumverhalten ebenso schnell zwischen „like“ und „dislike“ entscheiden und sich ausschließlich auf Angebote konzentrieren, die perfekt in ihre Lebenssituation passen.

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SMARTES HEIM

Auch in Evas Haushalt ist die „smarte Intelligenz“ längst eingezogen. Über ein Bussystem und einen eigenen Server sind alle Lichtschalter und Steckdosen via Smartphone steuerbar, die Waschmaschine läuft, wenn der Strom am günstigsten ist.

WLAN und Bluetooth ersetzen in unseren Haushalten immer öfter Kabelverbindungen, Tablets regeln die Raumtemperatur, Belüftung oder Beschattung. Via Smartphones werden Sicherheit und Energiefluss im Haushalt auch von außerhalb kontrollierbar. Das alles soll auch die Energiewende beflügeln.

Haustechnik-Apps boomen

Noch machen die Sektoren Wärme und Mobilität 85 Prozent der Gesamtenergiebilanz im privaten Alltag aus. Um mehr Effizienz zu erzielen und erneuerbare Energien zu pushen, müssen alle Erzeuger und Verbraucher im Haushalt in Zukunft miteinander gekoppelt werden. Dann könnte überschüssiger Strom für die Wärmeproduktion oder für die Mobilität verwendet werden, oder die Heizung, um Strom zu erzeugen. Zum Beispiel: Photovoltaik-Strom, der im Haushalt nicht gebraucht wird, fließt in Wärmepumpen oder die Batterien von E-Autos. Mini-Blockheizkraftwerke, die neben Wärme auch Strom erzeugen, ersetzen nachts den fehlenden Photovoltaik-Strom.

Mit Heimo bietet die Salzburg AG, als einer der ersten österreichischen Stromversorger, eine Haustechnik-App an, die das E-Auto in der Garage dann lädt oder die Umwälzpumpe des Pools exakt dann einschaltet, wenn die PV-Anlage am Dach viel Strom erzeugt. Damit nutzt ein Haushalt nicht nur Strom effizient, sondern spart im Idealfall auch bares Geld.

Strom muss smart werden

Digitale Werkzeuge im Wohnbereich werden unseren Alltag maßgeblich verändern und für ein neues Wohngefühl sorgen. Abgesehen vom wachsenden Bedarf bei den Kunden gibt es auch einen handfesten technischen Grund dafür: In Zukunft müssen immer mehr erneuerbare Kleinerzeuger (etwa Photovoltaik-Anlagen) in das Stromnetz integriert werden. Es entsteht eine kleinteilige und unkoordinierte Erzeuger- und Verbraucherlandschaft, in welcher die „Gegenrechnung“ von Produktion und Verbrauch ohne Digitalisierung nicht mehr funktioniert. Nur sogenannte Smart Grids, „intelligente Stromnetze“, können die einzelnen dezentralen Systeme logistisch so sinnvoll miteinander verknüpfen, dass die Stromnetze stabil bleiben.

KEIN GLÄSERNER MENSCH

Bei einem grünen Chai im Salzburger Kaffeehaus Röstzimmer sprechen wir mit Eva über ihre Grenzen der Digitalisierung. Für sie endet Digitalisierung dort, wo Persönlichkeitsrechte betroffen sind und „Big Data“ dafür genutzt wird, um private Präferenzen von Menschen herauszufinden. „Der Mensch darf durch Digitalisierung nicht zum gläsernen Menschen werden. Es braucht mehr Sensibilität im Umgang mit den privaten Daten im Netz“, sagt Eva.