Gemeinsam am Ruder

Mit arm- und tatkräftiger Unterstützung über den großen Teich

Dewey Fankhauser will im Ruderboot solo den Atlantik überqueren. Damit das gelingen kann, braucht es rund um ihn ein Netzwerk an Unterstützern.

Ein Abenteurer auf dem Wasser ist der Salzburger Wolfgang „Dewey“ Fankhauser schon sehr lange. Er vermutet, dass es die Bootsbaupläne seines Großvaters waren, die ihm damals mit sieben Jahren die Richtung vorgaben. Natürlich liegt es aber auch an seiner Persönlichkeit, die ihn mindestens alle zwei Jahre das Weite und das Wasser suchen lässt.

Zwei Jahre in Spanien lebte er seine Leidenschaft für das Windsurfen voll aus. Zwei Mal segelte er mit einem Freund quer durch die Karibik. Vor drei Jahren fuhr er auf einem Supportboot bei der Talisker Whisky Atlantic Challenge mit. Dabei wurde ihm klar, dass er das Ruderrennen von Spanien über den Atlantik bis Amerika auch einmal selbst mitmachen muss.

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Dewey Fankhauser beim Training

Täglich 18 Stunden rudern

Im Dezember 2019 ist es so weit: 34 Ruderboote mit Einzelkämpfern und Teams aus maximal fünf Ruderern stellen sich wieder der Herausforderung. Darunter auch Dewey, der die 4.700 Kilometer (3.000 Meilen) zwischen La Gomera und Antigua solo als erster Österreicher bewältigen will. Astronautennahrung und meerwasserwarmes Wasser aus einem Watermaker, der Salz- in Süßwasser umwandelt. 18 Stunden pro Tag rudern, sechs Stunden schlafen in einer winzigen Kabine bei 40 Grad – das alles voraussichtlich 40 Tage lang, ohne Begleitperson.

Allein im Team

„Ich glaube, dass ich das schaffen kann“, ist der 39-jährige Salzburger überzeugt. Damit sein persönlicher Traum in Erfüllung gehen kann, braucht Dewey aber ein Netzwerk rundherum. Dazu zählt neben Freundin, Familie und Fitnesstrainer auch der Coach Pete Spivey vom Ruderclub Wolfgangsee in St. Gilgen. „Mit im Netz“ sind auch die anderen Teilnehmer der Talisker Whisky Atlantic Challenge, die er bei den verpflichtenden Navigations- und Funkkursen in England regelmäßig trifft.

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Netz und Crowd

Natürlich braucht es Geldgeber, denn Deweys Traum kostet rund 85.000 Euro. Einen Großteil übernehmen Sponsoren, die er dank seiner Arbeit als Restaurantleiter über seinen Chef auftreiben kann. Zum weiteren Kreis zählen auch Menschen, die Dewey gar nicht persönlich kennt. Sie unterstützen ihn über die Crowdfunding-Plattform ibelieveinyou. Bis Ende Juli sollen 30.000 Euro hereinkommen. Damit wären zwei Drittel der Kosten für das Boot gedeckt. Jeder Cent, der übrig bleibt, geht nach der Challenge an die Salzburger Kinderkrebshilfe.

Ich glaube an Dich

Ibelieveinyou wird vom Österreichischen Olympischen Comité, der Sporthilfe und der Bundessportorganisation betrieben. Die Crowdfunding-Plattform nimmt sich aller Sportarten, Sportler und Vereine an, die Geld benötigen, um ihrer Leidenschaft nachgehen zu können. Jeder kann auf ibelieveinyou sein Projekt vorstellen und mit Crowdfunding Spenden dafür sammeln. Salzburger Initiativen erhalten darüber hinaus bis zu 400 Euro Startbonus von der Salzburg AG und den Österreichischen Lotterien. Laut Projektleiter Gernot Uhlir haben seit Bestehen der Plattform etwa 250 Sportler rund 1,1 Millionen Euro gesammelt.

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Teil des Projektes sein

Egal ob Sport, Kultur, Wirtschaft oder etwa Forschung: Auf Plattformen wie Kickstarter, Indiegogo oder ibelieveinyou werben immer mehr Menschen mit überzeugenden Videos für ihre Idee. Die „Crowd“ finanziert diese auch immer öfter. Wurden im Jahr 2015 insgesamt 11,8 Millionen Euro per Crowdfunding lukriert, konnte diese Marke bereits im ersten Quartal 2019 übertroffen werden, rechnet die europäische Plattform Crowdcircus vor.

Die Gründe, warum Menschen die Projekte auf ibelieveinyou unterstützen, sind unterschiedlich. Viele wollen damit Engagement zeigen, Teil des Abenteuers werden und miterleben, wie aus einzelnen Beiträgen ein großes Gesamtes wächst. Abenteurer wie Dewey erleben aber auch einen „Push-Effekt“, wenn Menschen an sie glauben und sie unterstützen, sei es auch mit einem noch so kleinen Beitrag.