E-Mobilität im Aufwind

Der Elektromobilität sind mittlerweile auch Flügel und Flossen gewachsen. Wir haben uns drei Ideen zu Erde, zu Wasser und in der Luft angeschaut.

Keine Emissionen und fast keine Nebengeräusche: Wenn Rüdiger Spann vom Zeller Flughafen abhebt, geht das ganz ohne großes Getöse. Zweitakt war gestern – heute fliegen Segler elektrisch. „Das ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn ich mit dem E-Motor die Höhe erreicht habe und der Aufwind die Tragflächen fast wie bei einem Vogel nach oben drückt.“ Wenn Rüdiger Spann von seinen bis zu sieben Stunden langen Segelflügen erzählt, ist er im Geiste sofort über den Wolken. Seine Lange Antares 23E ist ein einsitziges, eigenstartfähiges Segelflugzeug mit Elektromotor. Auf dem Platz vor dem Zeller Hangar beeindruckt es allein schon wegen der 23 Meter Spannweite und des kokonähnlichen Cockpits, in dem außer dem Piloten nichts weiter Platz findet.

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Vom Modell zum Original

Die Idee des Fliegens fasziniert Rüdiger Spann schon seit Schulzeiten. Damals traf sich der Modellflugverein im Keller seiner Volksschule in Salzburg Parsch. Vom Modellfliegen ging es für ihn zum Drachenfliegen und schlussendlich zur Königsklasse: dem Segelflug.

Rund 300.000 Euro hat der frühere KFZ-Mechaniker in die Hand genommen, um ein eigenes Segelflugzeug mit Elektromotor zu besitzen. „Das beste, das es derzeit am Markt gibt“, ist Spann überzeugt. Um die anderen Segelflugzeuge, die der Luftsportverband Salzburg im Hangar in Zell am See sonst noch stehen hat, reißen sich auch ohne ihn genügend Überflieger des 160 Mitglieder zählenden Vereins. Und zwar immer dann, wenn die Sonne scheint. Denn die braucht es, um an den Bergflanken die Aufwinde entstehen zu lassen, die für Segelflüge über 1.000 Kilometer und mehr notwendig sind.

Läuft und läuft

Auch wenn der Elektromotor nicht die Reichweite eines Verbrenners hat und die Batterien 160 Kilogramm auf die Waage bringen, ist Rüdiger Spann überzeugt vom E-Antrieb: „Kein Verbrennungsmotor ist so zuverlässig bei Luftdruck- oder Temperaturunterschieden. Probleme mit der Treibstoffversorgung oder mit dem Starter gibt es nicht. Ein E-Motor läuft immer.“ Strom kostet außerdem nur etwa ein Zehntel des konventionellen Flugzeugtreibstoffs und stammt in Salzburg aus erneuerbaren Quellen.

Abgesehen davon geht es beim Segelfliegen natürlich noch um etwas ganz anderes. Um das Gleiten in der Luft –  völlig ohne Motor, wie ein Vogel. So gesehen passt der fast geräuschlose elektrische Antrieb wie kein anderer zum Segelflugzeug. Das Fliegen wird sich ohnehin in Richtung E-Motor entwickeln, ist Rüdiger Spann überzeugt: „Es gibt bereits Segelflieger, die im Flug mit Hilfe eines Propellers und angeschlossenen Generators selbst Strom erzeugen.“ Und in naher Zukunft sollen auch kleinere Elektroflugzeuge und E-Helikopter am Horizont auftauchen.

www.lange-aviation.com

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Jedes Rad ein E-Bike

Auch am Boden sind der Fantasie mit „e“ keine Grenzen gesetzt. Abgesehen von E-Autos liefert der Elektromotor nun auch Zweirädern kräftige Impulse. Neben dem klassischen E-Bike fahren auch Roller, Scooter und Skateboards mit E-Antrieb.
Einer, der sich bei Zweirädern gut auskennt, ist der gelernte KFZ-Elektriker Fabian Gutbrod aus Villach. Er hat zusammen mit dem ehemaligen Radprofi und Maschinenbauer Thomas Pucher sowie der Marketingexpertin Tihana Pintaric einen nachrüstbaren elektrischen Hilfsantrieb auf den Markt gebracht, der auf jedes Straßenrad passt.

Nichts bremst den Leerlauf
Anfangs war das eher eine Spielerei. Fabian Gutbrods Bekannte wollten E-biken und gleichzeitig ihr Rad behalten. Innerhalb von zwei Jahren war der Nachrüstsatz so weit, dass er nur noch zwei Kilo wog und mit etwas Geschicklichkeit selbst montiert werden konnte.

Der Reibrollenantrieb, der die Energie ohne zusätzliches Getriebe auf den Hinterreifen überträgt, ist bei add-e dezent unter dem Tretlager versteckt. Der Akku ist in der Trinkflasche untergebracht. Ein Dreh am Verschluss der Trinkflasche und schon gibt es Motorunterstützung für bis zu 50 Kilometer Strecke. Mit der 600-Watt-Sportvariante sind deutlich mehr als 25 Stundenkilometer möglich.

Wenn nicht getreten wird, koppelt sich add-e selbständig vom Reifen ab, womit es im Leerlauf keine Reibungsverluste gibt. Daraus ergeben sich auch die wesentlichen Vorteile gegenüber fixfertigen E-Bikes: Das Rad wiegt weniger, behält seine Fahreigenschaften und ist leichtgängig wie gewohnt.

Das überzeugte schließlich auch eine Reihe von Investoren. Durch Crowdfunding kamen innerhalb eines Monats 400.000 Euro in die Kasse und die Serienproduktion konnte starten. Heute sind bereits über 5.000 Sets verkauft und das add-e-Team kann sich in der warmen Jahreszeit vor Anfragen kaum wehren. Denn mit 890 bis 1.100 Euro sind die beiden add-e-Sets auch beim Preis eine gute Alternative zu den teuren E-Bikes. Für Fabian Gutbrod, der selbst ein E-Auto fährt, ist neben der Elektromobilität auch der Re-use-Gedanke wichtig. „Mit add-e braucht niemand sein Fahrrad auf den Müll zu werfen, nur weil er in Zukunft elektrisch fahren möchte.“

add-e.at

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App ins Wasser

Im Wasser hat der E-Motor schon länger Fahrt aufgenommen. Mit dem klassischen Ausflugsboot aus den 1960er-Jahren hat das, was heute „State of the Art“ ist, aber wenig zu tun. Da geht es um autonom fahrende Wasserdrohnen. Diese sind das Geschäft des Wiener Startups Stromkind. Warum Wasserdrohnen? Weil sich für Andreas Desch daraus unglaublich viele Anwendungsmöglichkeiten ergeben. Etwa, um Dinge zu transportieren, in Seenot geratene Menschen aufzuspüren oder brennende Boote zu löschen. Aber auch, um den Seegrund zu vermessen, Brücken von unten zu screenen, Fische zu zählen oder zu füttern. All diese Aufgaben bewältigen mit Algorithmen gesteuerte Drohnen wesentlich effektiver als alles, was wir heute noch dafür verwenden.

Drohnen in Fahrt

Die Stromkind-Drohnen werden via App gesteuert und können auch autonom koordiniert ausschwärmen, um beispielsweise die Wasseroberfläche von Öl, Algen und Verschmutzungen zu reinigen. Der Schwimmkörper und der Antrieb der Drohne bleiben jeweils gleich, nur der Aufbau ändert sich je nach Anwendung. Außerdem arbeitet Stromkind bereits an größeren Wasserfahrzeugen mit zwölf Metern Länge als Alternative zu den vielen Booten und Kuttern mit Verbrennungsmotoren. Die sind für den Tourismus ebenso interessant wie E-Surfboards und E-Jetskier, die der Experte für Elektrotechnik und Funksteuerungen gemeinsam mit dem mechanischen Konstrukteur Hans Waldherr entwickelt hat. Deren Varianten mit Verbrennungsmotor werden aus Umwelt- und Lärmgründen immer öfter aus den Gewässern verbannt.

Silicon Valley

Kürzlich hat Stromkind eine Reise ins Silicon Valley unternommen und dort den bekannten Großinvestor Tim Draper getroffen, der sich schon für Tesla und Skype engagiert hatte. Außerdem arbeitet Stromkind mit Universitäten im deutschsprachigen Raum zusammen. Stellt sich nur die Frage, warum das Unternehmen eigentlich Stromkind heißt. „Weil wir uns trotz allem bei unseren technischen Spielereien einen kindlichen Zugang bewahrt haben“, lächelt Firmenchef Andreas Desch.

stromkind.at

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