ANDERS LEBEN

Neue Wohn- und Lebensformen könnten Platz für ein positives und kreatives Miteinander schaffen. Die lebens.linien, das Kundenmagazin der Salzburg AG haben, sich drei Beispiele angesehen.

Ein Haus mit nur 27 Quadratmetern. Mit Küche, Bad, Schlafzimmer, Wohnzimmer und Heimbüro. Unmöglich? Nicht für Simone Kamleitner. Die 44-jährige Grafikerin und Raumdesignerin hat sich auf dieser Fläche ihren persönlichen Wohntraum verwirklicht. Nicht irgendwo in Tokyo, Peking oder Mumbai, sondern auf der grünen Wiese in Schleedorf bei Salzburg.

lebens.linien

DOWNSIZING IM TREND

Der Trend zum „Tiny Housing“ ist vor zehn Jahren bei uns angekommen. Im Zuge der Wirtschaftskrise konnten sich viele platzverwöhnte Amerikaner große Anwesen nicht mehr leisten. Ähnliches passiert heute auch in Wien, Innsbruck und Salzburg: Die Quadratmeterpreise für Miete und Eigentum steigen in astronomische Höhen. Dabei ist Wohnen in Österreich im EU-Vergleich immer noch günstig.

lebens.linien

Simone Kamleitner hat sich dem „Downsizing“ verschrieben, weil sie nicht mehr den Großteil ihres Einkommens ins Wohnen stecken wollte. „Gleiche Wohnqualität auf kleinerem Raum“ ist seither ihr Motto. Ihren Hausrat hat sie beim Umzug um 50 Prozent reduziert. Im Kasten finden sich ausschließlich Kleidungsstücke, die miteinander „kompatibel“ sind. Mikrowelle, Küchenmaschine, Dampfgarer oder etwa einen Wäschetrockner sucht man vergeblich in ihrem Holz-Mikrohaus.

Geld ist nicht der einzige Grund für den Trend zum Tiny Housing. Oft ist es der Wunsch, anders zu wohnen. Eröffnet so ein Mikrohaus schließlich auch die Chance, sich einen Zweitwohnsitz zu schaffen, je nach Bedarf den Wohnraum zu erweitern oder zusammen mit Gleichgesinnten eine Siedlung entstehen zu lassen.

Individuelle Wohnkonzepte für Tiny Housing bietet Simone Kamleitner schon heute mit einem Baumeister und einem Holzbauunternehmen zusammen an: für Ehepartner, die sich trennen, Alleinerzieher, Singles, Pensionisten. „Je nachdem ob Mann oder Frau, jung oder alt, können die Bedürfnisse ganz unterschiedlich sein. Gerade wenn man auf so kleinem Raum lebt, muss aber die Wohnqualität hundertprozentig passen.“ Der Markt für Simones Ideen wächst auf jeden Fall: Laut Statistik Austria hat sich die Zahl der Einpersonenhaushalte zwischen 1986 und 2016 nahezu verdoppelt und liegt bereits bei knapp 38 Prozent. Für sie könnte Micro Housing ganz neue Formen des Zusammenlebens eröffnen.

dimenso.at

ERNTEN STATT KAUFEN

Auf der Hausbank des Stummvollgutes in Oberndorf Maria Bühel erwartet uns Antonia Osberger. Am Feld vor ihr gedeihen Salat, Zucchini, Kohlrabi, Kartoffeln, Knoblauch, Zwiebel, Kräuter und vieles mehr. Die studierte Geographin arbeitet halbtags auf der Uni und ist Geschäftsleiterin bei den „Erdlingen“. Aus dem Pflänzchen, das Antonia mit einem Freund vor vier Jahren in der Stadt Salzburg ausgesetzt hat, ist mittlerweile ein Verein mit über 60 Mitgliedern gewachsen. Hier gärtnern Jung und Alt, Familien und Alleinstehende gemeinsam, getreu dem Motto: produzieren statt konsumieren. Es gibt regelmäßige Feldtage, an denen sich die Mitglieder zum Setzen, Jäten oder Obstbaumschneiden treffen. Und die Ernte wird natürlich redlich geteilt.

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Ohne Michael Linner, der sich mit biodynamischen Anbaumethoden auskennt, könnten die Erdlinge nicht diese Erträge einfahren. Denn sie verzichten bewusst auf mineralischen Dünger. Entscheidend ist die Kenntnis über Bodenbearbeitung, Kompostierung und zeitgerechtes Setzen. Dieses Wissen wollen die Erdlinge erhalten und weitergeben.

Was spricht sonst noch für das Garteln in der Gruppe? „Vieles“, meint Antonia Osberger: „Gemeinsam schafft man so viel mehr als alleine. Die Kinder sind voller Begeisterung dabei, es entstehen neue Freundschaften und Ideen: was man noch alles ansetzen könnte, was man aus dem Geernteten alles machen kann. Und es wird auch gemeinsam eingekocht, es werden Salben gerührt und einiges mehr.“

erdling.at

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DORF IN DER STADT

Nächster Treffpunkt: Die Lebenswelt Aigen gleich neben dem Diakoniewerk Salzburg. Das neue Wohnquartier mit über 170 Einheiten wird vom Diakoniewerk mitbetreut. Hier wohnen Jung und Alt, Singles und Familien, Menschen mit und ohne Behinderung oder Betreuungsbedarf Tür an Tür. Mitten drin im Miethaus am „Marktplatz“ wohnt Ivonne Zimmermann mit ihrer Familie: Die anfänglichen Bedenken, in eine große Siedlung zu ziehen, hat die Mama rasch über Bord geworfen: „Es ist sehr familiär, wir haben Freunde gefunden, mit denen wir etwas unternehmen – und trotzdem auch unsere Privatsphäre.“

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Das Wohnen mit verschiedenen Generationen hat ihr ohnehin gleich zugesagt: „Meine Großeltern sind früh gestorben, da freue ich mich auf ältere Menschen zum Kennenlernen.“ Katharina Lauterbrunner vielleicht. Die 88-jährige Dame kommt aus der Gastronomie, ist viel unterwegs und pflegt regen Kontakt zu ihren Nachbarn. Die neue Wohnung ist für sie ein „Lotto-Sechser“, vor allem wegen der Dienstleistungen, die man vom Diakoniewerk einfach dazubuchen kann.

Zu Frau Lauterbrunners Nachbarn im Haus für betreutes Wohnen zählt Evelyn Steiniger, der generationenübergreifendes Wohnen schon immer imponiert hat. Mit 60 wollte sie das auch. Durch die Diagnose Krebs ist es dann deutlich früher so gekommen. In ihrer Gartenwohnung in der Lebenswelt Aigen blüht sie jetzt wieder richtig auf. Gemeinsam mit Antje Kindler-Koch, der sozialen Startbegleiterin in der Lebenswelt Aigen, stellt Evelyn einen Flohmarkt für alle Bewohner auf die Beine: eine gute Gelegenheit, unnötigen Ballast abzuwerfen.

Im ersten Stock wohnt Helmut Mayerböck. Er und seine Frau sind Krebspatienten und sehen in der Lebenswelt Aigen die große Chance, noch möglichst lange eigenständig zu leben, wie sie es wollen: „Das hier ist der letzte Wagon unseres Lebenszuges. Und den richten wir uns erster Klasse ein.“ Auf jeden Fall will der ausgebildete Seniorentrainer zusammen mit der Startbegleiterin eine Nordic-Walking-Gruppe auf die Beine stellen.

lebens.linien

2008 lebten weltweit erstmals mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Während in den Dörfern die funktionierenden Strukturen wegbrechen, versucht das Diakoniewerk mit seiner Stadtteilarbeit solche aufzubauen. Nach Taxham, Aigen und Gneis soll ein nächstes Generationen-Wohnquartier in der Riedenburg entstehen.

diakoniewerk-salzburg.at

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