Die Sohle musste stabilisiert und die Böschungen gesichert werden. Aus ökologischer Sicht ist daher ein Stützkraftwerk die ideale Lösung, zumal damit zusätzlich die ökologische Durchgängigkeit der bestehenden Sohlstufe gewährleistet wird.
Die Umsetzung erfolgt dort, wo es die geologische Situation erstmalig am Flussverlauf zulässt. Eine Verankerung des Kraftwerkes im Seeton wäre mit einem vertretbaren Aufwand nicht machbar bzw. finanzierbar gewesen. Der Standort Hagenau, der der nächstgelegene Standort flussabwärts wäre, war aufgrund der Vorgaben der EU - Wasserrahmenrichtlinie nicht möglich.
Der Gesetzgeber sieht eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) erst ab einer Engpassleistung von 15 Megawatt (MW) vor. Mit dem Kraftwerk wird sich eine Engpassleistung von ca. 13,7 MW erzielen lassen. Eine freiwillige Umweltverträglichkeitsprüfung ist gesetzlich nicht möglich.
Dieser Wert ergibt sich aus folgenden Faktoren:
- Ausbauwassermenge von 250 m³/s (wie Kraftwerk Urstein). Die Ausbauwassermenge entspricht der durchschnittlichen Wassermenge der Salzach.
- Bestehende Gefälleverhältnisse: Die Fallhöhe beim Kraftwerk Sohlstufe Lehen wird 6,60 Meter betragen.
Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens wurde das Projekt von der unabhängigen Behörde geprüft. Diese Prüfung beinhaltete u.a.:
Grundwasser:
Die Ergebnisse liegen seit Februar 2008 vor. Im Nahbereich der Salzach wurden zusätzliche Grundwasserspiegelmessstellen (Pegel) gesetzt und das bestehende Messnetz in Abstimmung mit dem Hydrographischen Dienst der Salzburger Landesregierung verdichtet. Die Ergebnisse wurden von der Behörde geprüft und das Grundwassermodell bestätigt. Es kommt zu keiner Verschlechterung der Grundwassersituation, im Falle eines Hochwassers werden sogar die Grundwasserspitzen gekappt.
Hydraulischer Modellversuch:
Die TU Wien, Institut für Wasserbau und Ingenieurhydrologie, war mit dem Modellversuch betraut. Dessen Ergebnisse wurden ebenfalls (insbesondere die Hochwasserthematik) von der zuständigen Behörde geprüft und positiv beurteilt. Das Kraftwerk stellt keine Verschlechterung im Hochwasserfall dar. Die geplanten Begleitmaßnahmen tragen sogar wesentlich zur Verbesserung der lokalen Hochwassersicherheit bei.
Ökologie:
Die ökologische Begleitplanung wurde nach den neuesten Erkenntnissen erstellt und im naturschutzrechtlichen Verfahren positiv bewertet. Die Maßnahmen werden die ökologische Bilanz des Salzach-Abschnittes deutlich erhöhen.
Abgeschlossen ist auch das jagdrechtliche Verfahren (Bibersichtung). Die Ergebnisse werden in Form von ökologischen Begleitmaßnahmen in das Gesamtprojekt aufgenommen und in den Projektablauf integriert.
Geologie:
Vor Baubeginn wurden umfangreiche Bodenerkundungsmaßnahmen durchgeführt. Die Ergebnisse wurden von der Behörde im Rahmen des Wasserrechtsverfahrens geprüft und stellen die Basis für die Baumaßnahmen dar.
Mögliche Auswirkungen auf das Ökosystem „Fluss Salzach“ wurden im Rahmen des vorgesehenen naturschutzrechtlichen Verfahrens geprüft und zusätzlich im wasserrechtlichen Verfahren berücksichtigt. Auch die Landesumweltanwaltschaft hatte Parteistellung im Genehmigungsverfahren.
Die ökologische Begleitplanung wird im Rahmen des Kraftwerkbaus umgesetzt. Das Projekt leistet insgesamt einen wesentlichen Beitrag zur Aufwertung der ökologischen Bilanz in den betroffenen Stadtgebieten.
Ein Fischpass, der dem aktuellen Stand der Technik entspricht, ermöglicht künftig die Durchgängigkeit der Salzach für Fischwanderungen. Diese sind derzeit nicht möglich. Für die Realisierung des Kraftwerks benötigte Grün- und Auflächen werden durch Ausgleichsflächen ersetzt bzw. durch Renaturierung kompensiert.
Der Bau erfolgt in zwei Phasen:
- 09/2010 bis 12/2011: Errichtung von drei Wehrfeldern, einer Dichtwand und Einbau einer unterirdische Wasserableitung (Drainagesystem) auf der rechten Salzachseite.
- Ende 2011 bis Mitte 2013: Bau viertes Wehrfeld und Krafthaus auf der linken Salzachseite, Einzug einer weiteren Dichtwand. Die Inbetriebnahme erfolgt Mitte 2013.
Um die Belastungen so gering wie möglich zu halten, wurde ein umfassendes Verkehrskonzept in Abstimmung mit der Stadtplanung erstellt. Danach wird der Bauverkehr zur Entlastung der Anrainer über eine eigene Autobahnabfahrt nahe dem Messezentrum und seit dem Frühjahr 2011 zusätzlich über eine Baubrücke über die Salzach geführt.
Lärmintensive Tätigkeiten werden möglichst auf Montags bis Freitags zwischen 7 und 19 Uhr beschränkt. Die tägliche Rahmenarbeitszeit ist Montag bis Freitag von 6 bis 22 Uhr, sowie im Bedarfsfall am Samstag von 7 bis 19 Uhr.
Bei regelmäßigen Info-Treffs in der Info-Box am Traklsteg informiert das Projektteam über den Kraftwerksbau und gibt Interessenten einen Einblick in das Baustellengeschehen. Selbstverständlich steht das Team den Anrainern für Fragen zur Verfügung. Außerdem wurde eine Ombudsstelle eingerichtet.
Unser Ombudsmann Robert Sander ist nach Terminabsprache jederzeit für Sie da.
Ing. Robert Sander
Telefon +43/662/ 8884 - 1494
Handy +43/676/ 868 55 - 1494
Fax +43/662/ 8884 - 170 1494
sohlstufelehen@salzburg-ag.at
Bauschäden können bei großen Bauvorhaben nie ganz ausgeschlossen werden. Für die Abwicklung von möglichen Schadensfällen wurde vor Baubeginn eine umfangreiche Beweissicherung an den Objekten entlang der Zufahrtsstraße sowie im Nahbereich der Baugrube und dem Rückstauraum durchgeführt.
Ja, am besten vom Traklsteg oder von der Aussichtsplattform auf der rechten Uferseite Höhe Kolpinghaus.
Die Flächen, die für den Bau nötig sind und gerodet werden müssen, werden nach Projektabschluss für den Fischabstieg und das Umgehungsgerinne genutzt. Die Eingriffe waren nötig, um den geforderten Hochwasserschutz gewährleisten zu können.
Mit dem Architektenwettbewerb wurde die ökologische Begleitplanung mit der Neugestaltung des Glanspitzareals und einer ökologischen Aufwertung des untersten Teils des Glankanals entwickelt. Die Rahmenvorgaben dafür wurden seitens der Stadtplanung erarbeitet.
Ab Mitte 2013 steht der Bevölkerung ein Naherholungsgebiet mit Sport- und Freizeitmöglichkeiten zur Verfügung.
Nein. Hier kommt es zu keinen Veränderungen durch den Kraftwerksbau.
Die Fließgeschwindigkeitsunterschiede zwischen der Nonntaler Brücke und dem Müllner Steg sind marginal. Da bereits im Ist-Zustand der Salzach ein Rückstaueffekt der Sohlstufe Lehen besteht, wird sich – ausgehend von einem Übergangsbereich – ab der Lehener Brücke im Erscheinungsbild und in der Fließgeschwindigkeit nur ein geringer Unterschied ergeben. Grundsätzlich wird die Salzach daher ein sehr ähnliches Erscheinungsbild haben, wie heute.
Der derzeitige Geräuschpegel der Sohlstufe Lehen wird an etwa 295 Tagen des Jahres wegfallen. Eine zusätzliche Schallentwicklung durch die Turbinen und Generatoren wird es nicht geben. Bei erhöhter Wasserführung sowie im Hochwasserfall ist die Geräuschentwicklung gleich wie jetzt.
Diese Einschätzungen beruhen auf Vergleichswerten, die im Rahmen einer Lärmmessung an der
bestehenden Sohlstufe erhoben wurden.
Seitens der Behörde wurde ein eigener Sondersachverständiger (der Salzburger Meteorologe Michael Staudinger) bestellt, der in seinem Gutachten bestätigte, dass es zu keiner zusätzlichen Nebenbildung durch das Kraftwerk kommt. Ein wesentlicher Faktor für Nebelbildung ist die zur Verfügung stehende Wasseroberfläche (Verdunstung). Diese Oberfläche wird nur minimal vergrößert.
Nein. Aufgrund der Betriebserfahrungen der Salzburg AG ist mit keiner Geruchsbelästigung zu rechnen. Angeschwemmtes Holz und anderes Treibgut wird über eine Rechenreinigungsmaschine beim Einlaufrechen herausgehoben und über Container entsorgt.
Bei größeren Hochwasserereignissen werden die Wehrfelder geöffnet, wodurch das schwimmende Gut ins Unterwasser abgeleitet wird.
Oberste Anforderung an das Kraftwerk ist, dass es zu keiner negativen Beeinflussung der Grundwassersituation kommt. Im Oberwasserbereich werden umfangreiche Maßnahmen getroffen, die sich aus den Ergebnissen des Grundwassermodells (= Computer-basiertes Prognose-Instrument zur Messung des Grundwasser-Stands) ergeben.
Eine zusätzliche Grundwasser-Messstelle vor Ort zeigt jede Veränderung des Grundwassers auf und ist damit wesentliches Kontrollorgan.
Die mögliche Beeinflussung des Grundwassers durch das höhere Stauziel der Salzach wird mit Dichtungsmaßnahmen und Drainagekanälen sowie mittels Rotationseinrichtungen kompensiert. Durch diese Maßnahmen wird zusätzlich im Hochwasserfall der Grundwasseranstieg geringer bzw. verlangsamt.
Dieses Verfahren ist Stand der Technik und bei vielen Kraftwerksprojekten, auch in Stadtgebieten (z. B. Kraftwerk Sohlstufe Hallein, Donaukraftwerk Freudenau, Stadtkraftwerk Leoben) erfolgreich umgesetzt worden.
Nein. Umfangreiche Berechnungen sowie der Modellversuch an der TU Wien zeigten, dass keine Verschlechterungen auftreten werden.
In Absprache mit der Bundeswasserbauverwaltung und in Abstimmung mit der Stadt Salzburg ist zwischen Sohlstufe und Krafthaus eine Uferschutzmauer vorgesehen. Damit wird das Hochwasserschutz-Konzept der Stadt Salzburg „HQ 100 und 50 cm“ fortgesetzt. Die Umsetzung dieses Plans ist bereits bis zur Eisenbahnbrücke erfolgt. Mit den Maßnahmen der Salzburg AG wird das Konzept nun flussabwärts bis zum Kraftwerk Sohlstufe Lehen weitergeführt.
Das HQ 100 (Hundertjährliches Hochwasser; entspr. dem Hochwasser im August 2002) kann mit drei geöffneten Wehrfeldern abgeführt werden. Im Unterwasser wird durch die Stabilisierung der Böschungen sowie ein Tieferlegen der Böschungsfüße ein Abrutschen verhindert. Dadurch wird auch dort die Hochwassersicherheit erhöht.
Der im Kraftwerk erzeugte Strom soll primär über eine unterirdische Kabelanbindung ins Umspannwerk nach Hagenau geleitet werden. Parallel dazu ist eine Anbindung in das Netz der Stadt Salzburg (Umspannstation Liefering) geplant.
Die Bundeswasserbauverwaltung hat mögliche alternative Lösungsansätze geprüft. Die EU-Wasserrahmenrichtlinie sieht bis 2015 eine Durchgängigkeit der Salzach für Fische und Flussbewohner vor. Zur Erfüllung dieser Auflage und zur erforderlichen Stabilisierung der Salzachsohle wären auch bei alternativen Lösungsansätzen Bauarbeiten notwendig gewesen. Die einzige technisch sinnvolle und ökologisch funktionierende Alternative wäre laut Experten eine „aufgelöste Sohlrampe“.
Sie würde eine Länge von gut 400 m aufweisen und müsste über zumindest zwei Bauwinter errichtet werden. Weiters würde die Materialzufahrt (Wasserbausteine, Schüttmaterial) voraussichtlich über das Stadtgebiet erfolgen (keine Baubrücke, keine eigene Baustellenzufahrt).
Eine weitere Voraussetzung wäre die Aufweitung der Salzach sowie die Errichtung eines Hochwasserschutzdammes im Nahbereich der Rampe. Darüber hinaus würde es dadurch zu keiner ökologischen Aufwertung der Glan kommen. Aufgrund dessen und der hohen Kosten (rund 10 Mio. Euro) wurde diese Alternativlösung als nicht empfehlenswert eingestuft.