Interview zur Erdgasversorgung
Mag. Rudolf Zrost zur Erdgasversorgung in Salzburg

- Mag. Rudolf Zrost
Als Präsident der Industriellen-Vereinigung Salzburg und Geschäftsführer des Zementwerkes Leube weiß Mag. Rudolf Zrost um die Bedeutung der Erdgas-Versorgung für die Salzburger Industrie.
Warum braucht die Industrie Erdgas? Ist ein Ausstieg in den nächsten Jahren aus fossilen Energieträgern sinnvoll bzw. realistisch?
Im Kalkwerk Tagger gewinnen wir Kalkstein, der durch den Brennvorgang (Austreiben von CO2) komplett weiß wird. Für den Brennprozess brauchen wir Erdgas, weil es eine sehr reine Energie ist, die keine Asche erzeugt. Dadurch bleibt unser gebrannter Stein so weiß. Da Erdgas eine teuere Energie ist, haben wir uns intensiv mit Alternativen beschäftigt. Die einzige sinnvolle Möglichkeit, nämlich das Vergasen von Biomaterial, würde aber derart große Mengen erfordern, dass Salzburg durch seine Topographie, sprich die vielen Berge, nicht einmal annähernd in der Lage ist, genügend Flächen zum Anbau von Biomaterial zur Verfügung zu stellen. Ein Ausstieg in absehbarer Zeit ist daher für uns technisch nicht vorstellbar. In industriellen Hochtemperaturprozessen ist Erdgas unersetzbar.
Wie wichtig ist für Ihr Unternehmen das Thema Versorgungssicherheit?
Die Versorgungssicherheit ist uns sehr wichtig. Unser Produkt – der gebrannte Kalkstein - wird von unserem Hauptkunden so bearbeitet, dass das zunächst von uns ausgetriebene CO2 wieder zugeführt wird. Dieser somit „in Perfektion“ hergestellte Stein wird just in time an die Verarbeiter geliefert. Ein Ausfall würde nicht nur teuere Stillstände verursachen, sondern auch unser Produkt deutlich weniger attraktiv machen. Wir würden mit Sicherheit Kunden dauerhaft verlieren. Unsere Öfen laufen Tag- und Nacht 365 Tage im Jahr durch und werden nur alle 4 bis 6 Jahre abgestellt und neu ausgemauert. Ein Stillstand durch fehlendes Gas würde durch die Erkaltung der Ausmauerung schwere und teuere Schäden verursachen. Auch aus diesem Grund ist uns die Versorgungssicherheit sehr wichtig. Wie wichtig in diesem Zusammenhang die neue Gas-Pipeline ist, hat uns der Gasstreit zwischen Russland und Ukraine deutlich gezeigt.
Sie selbst sind Vater - wie sehen Sie die Energiezukunft für die kommenden Generationen?
Langfristig gesehen, werden wir die Energie, die wir für das tägliche Leben brauchen, nur noch in Form von erneuerbarer Energie erzeugen. Potenzial dafür ist in unserer Welt im Überfluss vorhanden, wir müssen es nur nutzen. Wir werden in Österreich die Wasserkraft ausbauen, uns aber auch an den Anblick von Windrädern gewöhnen. Meine Kinder werden in Niedrigenergie- (oder sogar Energieautarken-) Häusern leben, Beton wird dabei als Speichermasse eine wichtige Rolle spielen. Wir werden mit Elektrofahrzeugen fahren und auch in den großen Städten reine Luft atmen.
Es hat keinen Sinn, einzelne Energieträger gegeneinander auszuspielen. Viel mehr müssen wir dazu übergehen zu erkennen, wo sich fossile Energieträger und Biomasse ergänzen. Wir werden aber weiterhin Gas- und Öl in industriellen Prozessen benötigen, auch wenn es in 100 Jahren sehr teuer geworden sein wird.
Factbox Versorgungssicherheit bei der Salzburg AG




